Das Kondensatormikrofon ist das am häufigsten genutzte Mikrofon für Gesangsaufnahmen im Studio. In diesem Artikel erfährst du, wie Kondensatormikrofone funktionieren, was ihre Vor- und Nachteile sind und für welchen Einsatz sie geeignet sind.
So funktioniert ein Kondensatormikrofon
Technisch gesehen funktioniert ein Kondensatormikrofon nach dem Prinzip eines Plattenkondensators.
Im oberen Teil des Mikrofons befindet sich eine Kondensatorkapsel. Diese Kapsel besteht aus einer sehr dünnen Membran (Folie) aus leitendem Material an der Front und einer dickeren Metallscheibe an der Rückseite. Die Membranfolie (Elektrode 1) ist beweglich, die Platte an der Rückseite (Elektrode 2) ist unbeweglich. Im inneren der Kapsel, zwischen Membran und Metallscheibe ist Luft. Wenn du jetzt kräftig in dein Mikrofon singst wird die dünne Membran zum Schwingen angeregt und der Abstand zwischen Membran und Metallscheibe verändert sich. Dies geschieht im Einklang mit den auftreffenden Schallwellen. Durch die Veränderung der Kapazität innerhalb der Kapsel werden die Schallwellen in ein elektrisches Signal umgewandelt.
In der Elektronik eines Kondensatormikrofons ist ein Impedanzwandler verbaut (Mikrofonverstärker), der aus einer Transistor- oder Röhrenschaltung besteht. Dieser Wandler benötigt eine Spannungsversorgung. Deshalb kann ein Kondensatormikrofon nur mit 48 Volt Phantomspeisung oder einem externen Netzteil (bei Röhrenschaltung) betrieben werden kann.
Großmembran vs. Kleinmembran
Neben Großmembranmikrofonen wie dem bekannten Rode Nt1A gibt es auch Kleinmembranmikrofone die sich nicht nur im Durchmesser der Membran, sondern auch im Aussehen unterscheiden. Kleinmembraner liegen zwischen 12-15mm, von einer Großmemembran kann man ab 2,5cm sprechen. Alles dazwischen ist nicht genau definierbar bzw. es wird oft über die richtige Bezeichnung gestritten. Soundtechnisch unterscheiden sich die beiden Typen gar nicht so sehr wie einige vielleicht vermuten. Leichte Tendenzen lassen sich jedoch feststellen: Großmembraner klingen oft etwas wärmer und zeichnen die tiefen Frequenzen (vorallem bei Nahbesprechung) stärker auf. Bei seitlich einfallendem Schall neigen Großmembranmikrofone dazu die Höhen nicht mehr so präsent wie bei frontalem Auftreffen abzubilden.
Kleiner Tipp, dies kann man sich bei der Aufnahme von Gesang auch zu Nutze machen um scharfe S- und T- Laute zu reduzieren: Das Mikrofon vor dem Sänger einfach leicht seitlich eindrehen. Somit treffen die scharfen Zischlaute nicht mehr frontal auf die Membran und man kann sich den De-Esser beim späteren Mixing sparen.
Anwendungsgebiete
Ein Kondensatormikrofon eignet sich wunderbar zum Recording im Studio. Man verwendet sowohl Klein- als auch Großmembranmikrofone unter anderem zum Aufnehmen von Sprache und Gesang, Akustikgitarre, Schlagzeug Overheads, Percussions, Klavier, Gitarrenverstärkern, Streichern, Chören etc. Im Vergleich zu dynamischen Mikrofonen klingen Kondensatormikrofone meistens feiner, zeichnen mehr Details auf und haben einen etwas größeren Aufnahmebereich. Das kann von Vorteil sein, wenn man zum Beispiel eine Westerngitarre aufnehmen möchte,die im Mix später präsent und weit vorne erklingen soll. Großmembranmikrofone sind auch oft die erste Wahl bei Vocal-Recordings im Studio. Die klangliche Charakteristik verleiht Stimmen eine natürliche Wärme und Klarheit.